Wie alles begann

Eines abends, es war vor etwa 6 Wochen, saß ich beim fernsehen und sah einen Bericht über den Vegan-Koch Attlia Hildmann. Interessant, dachte ich mir. Aber nichts für mich. Vegan! Wer will schon vegan leben? Das ist doch bestimmt „tierisch“ aufwändig und schränkt einen sehr ein.

Doch es ließ mich nicht los und ich googelte dann doch irgendwann mal nach veganen Rezepten. Aus Langeweile, mehr so zum Spaß. Ohne ernsthafte Hintergedanken. Vegan war für mich immer noch „Spinnertum“. Ich interessiere mich schon lange für Ernährung, für das, was wir uns tagtäglich einverleiben. Ganz besonders seit mein kleines sechsmonatiges Kind anfing mehr als Muttermilch zu nehmen schaute ich genauer hin. Was ist drin in Lebensmitteln, die wir kaufen? Wo kommen sie her? Wie werden sie gemacht? Selbstverständlich wußte ich auch, wie Fleisch „produziert“ wird. Aber deshalb darauf verzichten? Ich? Nein!

Vor zwei Jahren waren wir im Urlaub auf einem demeter-Bio-Bauernhof mit Milchvieh. Mag man zu bei Mondschein eingegrabenen Kuhhörnern stehen wie man will, in diesem Stall roch es angenehm. Ganz anders wie in den Kuhställen die ich schon kannte und vor denen ich schon am liebsten 5m vor dem Eingang kehrt machte. Der Bauer erzählte, wie alt eine konventionelle Milchkuh wird und wie alt eine Bio-Milchkuh bei ihnen, berichtete vergleichend von der Lebensmilchleistung und dem wegen der längeren Lebenszeit höheren Futterkosten einer Bio-Milchkuh. Nun war mir klar, warum Biomilch nicht nur besser schmeckte sondern auch teurer war. Ab da beschloss ich, zukünftig auf Trinkmilch zu verzichten und auf Getreidemilchen umzusteigen. Der Rest meienr Familie trank weiterhin Bio-Heumilch und ich probierte mich durchs Sortiment. Mandelmilch, Hafermilch, Sojamilch, Dinkelmilch… verschiedene Produkte habe ich getestet. Eigentlich brauchte ich sie ja nur für meine Kaffee.

Sojamilch war kein Hochgenuß für mich. Mandelmilch sehr teuer, Hafermilch zu „haferig“ aber an Dinkelmilch bin ich geschmacklich hängen geblieben. Seit also nun 2 Jahren leben ich trinkmilchfrei, in meiner Kochküche verzichtete ich aber nicht auf andere Milchprodukte. Und gelegentlich kaufe ich eine Charge die auch noch gut schäumt und so das perfekte Latte Macchiato-Gefühl gibt.

Latte Macchiato

Aber zurück zum Thema. Ich suchte nach veganen Rezepten des Starkochs und wurde bis auf ein Rezept für Zucchinispaghetti nicht fündig. Sollte ich mir tatsächlich das Buch kaufen müssen? Ich googelte also nach dem Buch – es war ausverkauft. Ich erzählte es eher beiläufig meinem Mann, der den Fernsehbericht ebenfalls mit mir gesehen hat. Und dann lag das Buch „Vegan for youth“ plötzlich als Nikolausgeschenk da. Ich war begeistert.

Allmählich dämmerte mir beim lesen, es handelt sich bei diesem Buch um die Anleitung zu einem „Programm“. 60 Tage vegan leben, inklusive Meditation und Sport. Ohjeh! Meditation. Meine erste und letzte bewußte Meditationserfahrung (ich habe das schon mit 20 mal ein paar Jahre lang gemacht, wußte damals aber noch nicht, dass das so heißt) war ein Rückbildungskurs nach der Schwangerschaft und ein Desaster, bei dem ich mir ein „intensives Gelb in die Nieren“ und ein „schönes Blau in die Lunge“ denken sollte. Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte und motzte stattdessen, wohl ganz zu mir selbst gekommen, die Kursleiterin an, was das für ein Blödsinn ist und dass ich wohl besser zu Hause geblieben wäre.

Nun also meditieren? Ich war skeptisch. Und dann auch noch jeden Tag, 60 Tage lang? Nun ja. Mal sehen was das neue Jahr bringt, wenn ich am 2.1. starte.

Und meine Familie? Ißt sie auch vegan? Oder wird sie boykottieren? Meinem Mann konnte ich immerhin das Argument entgegenschleudern, ER hätte mir ja schiesslich dieses Buch geschenkt. Aber kann ich mein Kind übergehen, das doch gern Fleisch ißt und für das ich täglich koche? Ist es rechtens, die Ernährung der gesamten Familie umzustellen, nur weil man selbst Grillen bekommt? Ich wischte die Bedenken beiseite: Für 60 Tage werden sie es wohl aushalten. Das muß gehen! Und so stand der Entschluß fest: Ich werde 60 Tage vegan leben.

Dieser Blog handelt von meiner Reise in ein unbekanntes Land. Mir selbst soll er helfen durchzuhalten. Und anderen könnte er Mut machen, die selbst an einem ähnlichen Punkt stehen wie ich. Oder er könnte Interesse wecken. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es mir nicht gestattet, Rezepte aus dem Buch zu veröffentlichen. Aber ich werde über meine Erfahrungen berichten, über Pleiten, Pech und Pannen lachen, über Sinnvolles und weniger Sinnvolles sinnieren und hoffentlich am 2. März stolz verkünden können, dass ich die 60 Tage durchgehalten habe.

Was ich von meiner Reise in mein nachfolgendes Leben mitnehmen werde, weiß ich noch nicht. Ich bin selbst gespannt wohin es mich führt.

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