Was für ein Start

…oder wie man morgens mit Schulkind eine Bruschetta zubereitet. Was ist das für ein Morgen, an dem mein Kind noch vor Beginn der Betreuungszeit aus dem Haus ist? Richtig, ein seltener, ach was, ein noch nie dagewesener Morgen! Stressig aber kurz. Aber erst mal von Anfang an.

Eigentlich ganz einfach zu machen: Tomaten, Knoblauch, Pinienkerne, Basilikum, Olivenöl, Pfeffer und Salz

Tomaten, Knoblauch, Pinienkerne, Basili- kum, Olivenöl, Pfeffer und Salz.

Gestern habe ich entgegen meiner Süßfrühstücker-mentalität beschlossen, mir morgens eine Bruschetta zuzubereiten. Da  sowieso immer etwas Leerlauf ist, bis der Junior endlich seine Kleider am Leib und sein Frühstück in demselben hat, bleibt genügend Muße, Tomaten zu schnippeln und Pinienkerne anzurösten. So der Plan. Dieser wurde jäh über den Haufen geworfen, als mein Sohn beschloß, mit mir ein Wettrennen zu veran-stalten, ob er schneller angezogen ist als ich Frühstück fertig habe. Für alle, die keine Kinder haben: Wenn sich ein Siebenjähriger mal dazu entschließt, morgens den Turbo einzulegen, sollte man ALLES dafür tun, dass dieser Drang bis zum Schließen der Haustür anhält.

Ich habe mich also vorsorglich ganz darauf konzentriert, dass sein Frühstück fertig auf dem Tisch steht und eher nebenbei meine Tomaten geachtelt, Basilikum und Knoblauch kleingeschnitten, sowie Pinienkerne geröstet und gehackt. Vielleicht war das auch gar nicht so schlecht. Denn wer hat schon mal morgens, quasi vor dem Aufstehen, mit einem kleinen LightningMcQueen um sich (für Unwissende: Das ist der Held aus dem Film Cars) Knoblauch geschnitten mit der Vorstellung, diesen gleich roh verzehren zu müssen? Ganz ehrlich: Ich war froh um die Ablenkung. Als Sohnemann auch noch Gurke als Vesper mithaben wollte schien das Desaster perfekt. Ich finde, Gurke schmeckt nicht sonderlich (eben nach Gurke), hat eine unmögliche Konsistenz und sie riecht wirklich grauslig. Für mich teilt sich die Welt in Grukenriecher und Gurkennichtriecher. Schon oft habe ich Menschen getroffen, die behaupteten „Aber  Gurke riecht doch gar nicht„. Doch, tut sie! Aber eben nur für die halbe Menscheit, wie mir scheint.

Ich habe also mit knoblauchverstunkenen Fingern morgens vor dem ersten Bissen und dem ersten Kaffee Gurkenscheiben geschnitten und versucht, die Luft dabei so gut es geht anzuhalten. Flach atmend Gurkenscheiben produzieren und dabei ein quatschendes Kind am Ohr, und das 20 Minuten nach dem Aufstehen… Mir kommen dabei die ersten beiden Zeilen von Goethes Mignon in den Kopf. Und als ich geradeeben nach dem Gedicht gesucht habe, passt auch das Ende irgendwie perfekt zu dieser Situation. Das ist das schöne an Poesie, man kann sie problemlos umdeuten. Passend auch noch, dass mein Mann gerade auf Geschäftsreise ist.

Mignon

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

Die frisch in der Pfanne geröstete Brotscheibe noch warm auf den Teller

Die frisch in der Pfanne geröstete Brot- scheibe noch warm auf den Teller

Das fertige Tomatentopping müßte jetzt also nur noch auf die gerösteten Brotscheiben. Die Menge reicht für 2 Brote. Ich überlege kurz, ob ich nicht einfach den Toaster bemühen sollte, entschließe mich aber, es richtig original zu machen und röste sie in der Pfanne. Klappt auch wunderbar und man kann nebenher sogar problemlos Vesperboxen in Ranzen verstauen und Trinkflaschen auffüllen. Da es für gewöhnlich mindestens 10 Minuten dauert, bis mein Sohn Schuhe und Jacke anhat, belege ich die erste Scheibe gerösteten Roggenbrots mit der Hälfte des Tomaten-Toppings in heller Vorfreude auf den ersten Biß und schieße schnell noch ein Foto für euch.

Frische Bruscetta: geröstetes Roggenvollkornbrot mit Tomaten-Basilikum-Knoblauch-Topping.

Frische Bruschetta: geröstetes Roggenvollkornbrot mit Tomaten-Basilikum-Knoblauch-Topping.

Maaaamaaa, ich bin fertig“ schallt es aus dem Flur. Seufzend lege ich die Kamera beiseite und verschiebe den ersten Biß.

Wenn man etwas mit einer Bruschetta nicht machen sollte, dann ist es das, sie lang stehen zu lassen. Aber manchmal will es das Leben so und daher beiße ich 5 Minuten später in ein aufgeweichtes tomatenbelegtes Brot, von dem mir wegen der wabbeligen  Unhandlichkeit auch noch die Hälfte der Stückchen währenddessen runterpurzelt. Zum Glück habe ich Sportklamotten an, weil ich gleich zumbiere (oder zumbaiere, zumbare? Ach egal), die müssen sowieso danach in die Wäsche. Die zweite Scheibe ist da schon deutlich leichter zu essen. Geschmacklich auch mit geröstetem Vollkornbrot super. Ob man sich und seinen Mitmenschen schon frühmorgens den Geruch frischen Knoblauchs antun will, muß jeder selbst entscheiden. Ich träume mir dazu jedenfalls ein schönes Glas Rotwein und den Geruch von Pinienwäldern, Oreagano und Thymian in die Nase und genieße endlich die Ruhe.

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