Einwecken

Ich kaufe Bohnen, Erbsen & Co als Vorrat ja gern trocken. Allerdings muß ich dann immer schon einen Tag vorher wissen, dass ich es brauche, wenn ich nicht stundenlang drauf rumkochen will. Kidneybohnen habe ich oft in der Dose da. Die bekommt man auch im Aldi. Bei Kichererbsen und weißen Bohnen sieht das aber schon anders aus. Und häufig hat man noch anderes darin enthalten, was man nicht immer dabeihaben will. Schaut mal auf die Inhaltsangaben von (Nichtbio-)Dosen drauf. Ich habe neben Gemüse, Salz und Konservierungsstoffen auch schon Aromen gefunden.

Für morgen ist ein Gericht mit Kichererbsen geplant. Und wenn ich schon welche einweiche und koche, warum dann nicht gleich mehr machen und den Rest einwecken?

Einwecken? Diese Art der Konservierung kannte meine Großmutter noch aus dem Effeff. Meine Mutter hat schon nur noch Marmelade eingekocht. Und wenn ich heute sehe, wie wenige junge Menschen noch wissen, wie man Gemüse und Früchte in Eigenarbeit haltbar macht, finde ich es schön, wenn man seinen Kindern auch zeigen kann, dass sowas geht. Ob sie es später selbst mal machen sei dahingestellt. In meinem Kopfkino spielt sich gerade ein FIlm ab, in dem mein erwachsener Sohn, einen Ehekrach provozierend meint „Ich ruf jetzt mal meine Mutter an, wie das geht. Die hat das auch immer gemacht:“ Und damit der Ehekrach nicht kommt, kann er sagen: „Ich schau mal, was im Internet dazu geschrieben steht.

Aber zurück zum Thema. Einwecken verhält sich zu einkochen oder einmachen wie Tempo zu Papiertaschentuch oder Nutella zu Nußnougatcreme. Der Unternehmer Johann Carl Weck stellte spezielle hitzebeständige Gläser her, bei denen der Deckel nur durch den im Glas entstehenden Unterdruck mittels eines Gummirings hielt. Bis der Unterdruck durch Abkühlen des Kochguts entstand, hielten zwei Federklammern Deckel und Gummiring auf dem Glas. Im Nachbarland Österreich kennt man auch den Begriff einrexen, weil die Gummiringe von der Firma Rex hergestellt wurden. Heutzutage verwendet man aber eher Schraubdeckelgläser. Das ist einfacher als das Gefummel mit Gummi und Federringen. Hygienisch einwandfreier sind aber sicher die reinen Gläser, vorausgesetzt man verwendet jedes mal neue Gummiringe.

Es gibt auch spezielle Einkochtöpfe mit Abschaltautomatik. Aber einen solchen braucht es gar nicht, wenn man nur kleine Mengen einkocht. Einen Topf, einen Herd, eine feuerfeste Form, ein Backofen und etwas kaltes Wasser tut es auch.

Also nun zum Wesentlichen: Die Kichererbsen. Ich habe 200g in der doppelten Menge Wasser über Nacht eingeweicht und eine Stunde weich gekocht. Die Kochzeit richtet sich nach dem Härtegrad des Wassers. Je härter desto länger. Wer möchte kann auch Natron mit ins Kochwasser geben, dann geht es schneller. Auf jeden Fall sollte die Zugabe von Salz vermieden werden. Denn sonst werden Kichererbsen kaum weich. Zwischendrin hab ich immer mal wieder etwas Wasser nachgefüllt, dass die Kichererbsen auch gut mit Wasser bedeckt waren.

Einwecken Wasserbad

Roter Pfeil = Wasserstand „kaltes Fußbad“, grüner Pfeil = Wasserstand Einkochgut.

Nach der Kochzeit habe ich sie in Schraubdeckelgläser gefüllt, die ich zur Sterilisation direkt vor dem Befüllen mit kochend heißem Wasser ausgespült habe. Dann mit dem Deckel gut verschließen und in die feuerfeste Form stellen. Der Backofen wird auf 150°C Umluft (oder 170°C) hochgeheizt und wenn die Temperatur erreicht ist, wird kaltes Wasser in die Form gefüllt und das ganze für 10 Minuten in den Ofen gestellt. Dadurch wird die Luft im Glas soweit erhitzt, dass Keime abgetötet werden und das Kochgut möglicherweise über Monate oder gar Jahre haltbar ist. Das kalte Wasser dient dazu, dass das Kochgut nicht nochmal kocht. Also bitte nur ein kaltes Fußbad für die Gläser!

Nach der Zeit wird die Schüssel aus dem Ofen genommen, die Gläser rausgenommen und zum Abkühlen hingestellt. Dabei sollte sich der Deckel durch das entstehende Teilvakuum irgendwann nach innen wölben, was bei den heutigen Schraubdeckeln durch ein Klacken zu hören ist. Meist nach etwa 30-60 Minuten. Abgekühlte Gläser deren Deckel sich noch eindrücken läßt, müssen etweder sofort verzehrt oder für 1-2 Tage im Kühlschrank gelagert werden. Verwendet man originale Weck-Gläser, muß der Deckel auch beim Abnehmen der Federklammern so fest halten, dass man das Glas daran hochheben kann.Einwecken

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12 Gedanken zu „Einwecken

  1. Das finde ich mal ins richtig gute Idee!
    Mir geht es auch so, entweder die aus der Dose (hier aber auch immer Bio) oder eben – wenn man es vorher schon gewußt hätte dass man ausgerechnet jetzt etwas mit Kichererbsen oder Bohnen machen möchte – die trockenen mit langer Vorbereitungszeit. Obwohl sich das insgesamt doch auch nach einem ordentlichen Aufwand anhört, weiß man aber definitiv was drin ist. Das werde ich auch mal versuchen 😉
    Liebe Grüße, Franziska

    • Freut mich, dass es dir gefällt. Der Aufwand hält sich aber wirklich in Grenzen. Es quillt von allein, es kocht von allein und das Umfüllen in Gläser während man den Backofen hochheizt ist auch überschaubar.
      LG, Britta

  2. Hallo, toller Beitrag.
    wenn man die Gläser direkt bis oben befüllt (randvoll) muss man sie dann noch in ein Wasserbad stellen, oder dient das Wasserbad nur dafür, dass die Keime der Luft in dem Glas abgetötet werden?
    Gruß Axel

    • Das Wasserbad dient dazu, dass das Kochgut nicht so heiß wird, die heiße Luft im Backofen dazu, die darüberstehende Luft (und die, die beim Einfüllen ins Kochgut gewirbelt wurde und langsamer nach oben steigt) sterilisiert wird.
      Ich würde die Gläser nicht bis ganz an den Rand füllen. Für ein wenig Vakuum ist es auch wichtig, dass sich die Luft zusammenziehen und so den Deckel gut ranziehen kann.
      Oder hast du es nun schon probiert und kannst mich schlauer machen? 😀
      LG, Britta

  3. Hallo, ich möchte dicke weiße Jumbobohnen einkochen, weil wir uns einen Vorrat von fertigen Gerichten anlegen möchten, weil wir diese im Sommer mit zum Camping nehmen möchten. Ich habe jetzt getrocknete weiße Jumbobohnen gekauft und möchte die gerne fertig eingekocht in Gläser abfüllen. Ich benutze zum einkochen einen Schnellkochtopf. Hast Du eine Idee. Ich habe gehört, weiße Bohnen haben einen hohen Eiweißanteil weshalb die Kochzeit sehr viel länger sein muß. Ich habe schon einige Unfälle deswegen gehabt. Bei Gerichten mit Sahne oder wenn ich Soßen mit Mehr angesämt hatte. Ist dann leider hoch gekommen. Und ja, ich bin ein Mann und in unserer Famile der Küchenfreak.
    Gruß Heiko

    • Hallo Heiko,
      auch Männer können Kuchenfreaks sein, wo ist das Problem? 😀
      Ich kann dir leider nicht weiterhelfen, da ich keinen Schnellkochtopf habe. Ich würde die Bohnen über Nacht einweichen und in reinem Wasser (kein Salz, sonst wird glaube ich die Schale nicht weich) garkochen und eben öfter mal probieren, wann sie weich sind. Aber da hilft dir leider nicht weiter.
      Lieben Gruß
      Britta

  4. Hallo brittlebrick, ich versuche heute zum ersten Mal Kichererbsen einzukochen. Dies nur wegen dem magischen Aqua faba. Da ich bereits morgen eine etwas grössere Portion Choco-Mousse zaubern will habe ich heute morgen in der Früh 500 g Trockenmasse Kichererbsen im Wasser eingelegt. Nun geht’s weiter, Wasser ableeren, Kichererbsen abspülen, frisches Wasser auffüllen, und kochen. Nach 1 -2 Stunden sollte ich dann endlich mein erstes selbstgemachtes Aqua Faba haben, oder? Nur habe ich dann zu diesem Zeitpunkt auch eine grosse Menge an gekochten Kichererbsen welche ich so schnell nicht verwenden kann. Meinst du ich kann auch einfach nochmals frisches Wasser nehmen, dieses für 10 Minuten aufkochen und die Kichererbsen dann mit diesem einwecken? Oder wie wäre deine Lösung? Vielen Dank für deine Antwort 🙂

    • Hallo veganbabyccino,
      herzlich willkommen auf meinem derzeit etwas vernachlässigten Blog. Leider schon ein paar Tage her, aber der Vollständigkeit trotzdem noch eine Anwort.

      Ich würde frisches Wasser aufkochen, Kichererbsen dazu und es dann einwecken. So wie du es vorgeschlagen hattest. Sollte schon gehen. Die Kichererbsen werden dann halt etwas mehr ausgelaugt, aber sie werden es sicher nicht krumm nehmen. 😉
      Magst du mal berichten, wie du es nun gemacht hast?

      Du könntest aus einem Teil auch Kichererbsenmus machen, oder eine Kichererbsenpaste für Wraps, beides hält sich im Kühlschrank auch ein paar Tage.

      Liebe Grüße
      Britta

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