Mit Donuts auf Kriegsfuß

Eher ein Katastrophenbericht aus der heutigen Sonntagskuchenküche als die Darstellung vollendeter Backkunst. Aber zur allgemeinen Erheiterung hier trotzdem niedergeschrieben. Haltet die Lachmuskeln fest!

Alles begann mit einem Donut-Rezept von Stephanie, das richtig gut klang. Warum also nicht den Rest der Hefe aufbrauchen bevor er in die ewigen Jagdgründe übergeht und daraus einen Donut-Teig machen? Gesagt getan, Britta stellt sich in die Küche, wiegt bav die 300g Weizenmehl und die 100g Zucker ab, gibt sie in die Rührmaschine, geht zum Kühlschrank und… ja, Sojamilch. Die war gestern noch da. Ich schwör! Eine kurze Nachfrage beim Lieblingsmann brachte die Erleuchtung: „Die habe ich dir heute morgen in den Kaffee gemacht. Die stand da schon länger.“ Örgs. Ja. Nun war guter Rat teuer. Ich musste improvisieren.

Eventuell hätte ich einen Moment innehalten sollen bevor ich blind loslege. Aber ich war so aus dem Konzept gebracht, dass ich flugs 100g Seidentofu in die Rührschüssel packte und ganz stolz auf meinen Einfall war. Dann noch schnell die Hefe angerührt. Oh, die hätte man mit der Sojamilch anrühren sollen. *hüstel* Na ja, ich rühr sie einfach in etwas Dinkelmilch. Die war kalt. Also kurz einen kleinen Schluck in ein Glas und das in die Mikro. Probiert und für zu heiß befunden. Nein, so würde die Hefe sofort hinüber sein. Also nochmal etwas kalte Dinkelmilch dazu.

Wieder hätte ich nachdenken sollen anstatt einfach zu machen. Ich bröselte die Hälfte des Hefewürfels (im Rezept steht ein ganzer!), weil ich hatte eben nicht mehr, in die Milch und als ich endlich alles schon verrührt hatte stellte ich es neben die Rührmaschine um es am Ende zuzugeben. Jetzt noch das Öl abgemessen und ebenfalls bereitgestellt. Deckel auf die Maschine, Hefe zugegeben und angefangen zu Rühren. Dann das Öl hineingekippt. Und erst hinterher festgestellt, dass ich in der Zeile verrutscht war. Nicht 100 sondern 75ml Öl! Was ich außerdem nicht bedacht hatte: Es war jetzt natürlich ca. 100ml mehr Flüssigkeit als geplant. Der Teig war jedenfalls eine flüssige Masse und weit entfernt von einem Knetteig. Örgs.

Wieder hätte ich innehalten können und ins Rezept schauen. Aber nein. Macht nichts, dachte ich, dann gebe ich eben noch etwas Mehl hinzu und schaufelte Mehl in die Maschine. Aber der Teig klebte nicht mehr wunderbar wie sonst zusammen sondern war eine schrecklich kleistrige Masse. Was war da passiert? Im Rezept steht, man solle lieber Fett statt Mehl hinzugeben… Aha, es war also nun zu wenig Fett im Teig. Ich versuchte noch einen Schluck Öl aber es blieb zäh aber leider auch rissig wie hartgewordener Tapetenkleister.

Ich hätte an dieser Stelle einfach abbrechen sollen anstatt mir den Nachmittag in der Küche um die Ohren zu schlagen, meine Familie einpacken und irgendwo Kaffee trinken gehen sollen. Aber jetzt hatte es mich bei der Ehre gepackt. Da lese ich Stunden um Stunden über Hefe, Bakterien, Teiggerüst und wie alles zusammenhängt und dann klappt plötzlich ein stinkeinfacher süßer Hefeteig nicht mehr? Nein, ich glaube an das Gute im Teige, knetete noch von Hand fertig und stellte die Schüssel mit dem Teigklops abgedeckt in den warmen Ofen. Das wird es schon richten. Ich mache statt 20 Minuten Gehzeit einfach eine Stunde daraus, dann wird das schon.Nach einer Stunde lüpfte ich das Tüchlein. Oh. Was war das? War mir der Teigkloß tatsächlich 2mm entgegengekommen? Oder waren es gar verwegene 3 oder 4mm? Na ja, es fühlte sich ja schon beim Kneten so an, als ob da irgendwas schief gelaufen war. Hands on! Ja, man muss den Teig fühlen. Ich fühlte ihn, aber ich hörte nicht auf mein Gefühl. Und da ich nun schon so weit gediehen war beschloss ich, das Donutformen damit zu üben.

Es war ein Desaster. Der Teig klebte nicht, dafür riß er schnell. Ich ahnte auch, was passiert war, so theoretisch. Half aber nichts. Dieses Problem wäre nur mit einem neuen Ansatz zu beheben. Aber ohne Hefe keinen Hefeteig. Also einfach Augen zu und durch. Weitermachen. Mit öligen Händen fielen mir beim Formen die Haare ins Gesicht. Schwungvoll wollte ich sie mit einem Head Toss hinter die Schulter befördern. Es gelang nur mäßig. Dafür wirbelte die Brille durch die Küche und beide Gläser zerschellten am Küchenboden. *Doppel-Örgs* Netterweise hat der Lieblingsmann die Scherben beseitigt, während ich versuchte die teigig-öligen Hände zu reinigen und meine Ersatzbrille zu holen.

Alles war gegen mich. Ich hätte den Teig in den Müll beförden sollen und Kekse an der Tanke kaufen. Aber nein. Nicht aufgeben! Eventuell braucht die Hefe ja nur noch etwas Zeit. Ich schob die geformten Donuts wieder in den warmen Ofen und wartete nochmal eine halbe Stunde. Das Ergebnis war ernüchternd. Ich heizte trotzdem ein. Schließlich war ich jetzt schon so weit gekommen… wer weiß, ob mich die Hefe nicht doch noch überrascht.

Nach dem Backen: Kaum aufgegangen.

Nach dem Backen: Kaum aufgegangen.

Nein, sie überraschte mich nicht. Die Teile blieben fast genauso flach wie ich sie eingeschoben hatte. Nach einer halben Stunde backen habe ich dann doch noch Guß drauf gepackt und verziert. Wenn man jetzt schon so weit gekommen ist…. Haha! Die Idee von Stephanie, mit Matchapulver einen grünen Guß hinzubekommen war nett, aber hier in der Umsetzung völlig unappetitlich. Zwei verzierte ich so, dann beschloss ich einen neuen Guß zu machen. Und damit auch der Lieblingsmann seinen Jeeper gestillt bekommt, habe ich sogar einen für ihn mit Eierlikörguß versehen.

Mit Matchapulver sah es nicht wirklich gut aus.

Mit Matchapulver sah es nicht wirklich gut aus.

Mit Eierlikör schon besser.

Mit Eierlikör und Hagelzucker war es schon besser.

 

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Beim ersten Bissen lachte er. Er hatte mein Fluchen zum Desaster von Beginn an mitbekommen. „Heute stehst du mit dem Hefeteig wohl auf Kriegsfuß“. Ja, kann man so sagen, meinte ich und biß in den harten trockenen Donut, der beim Kauen nur vom Guß etwas Feuchtigkeit erhielt.

Materialeinsatz für dieses Desaster: ca. 500g Mehl, 120ml Öl, 1/2 Hefewürfel, 100ml Dinkelmilch, 100g Seidentofu, 300g Zucker, 1 TL Matchapulver, 50ml Orangensaft, 2 Brillengläser. Also bitte NICHT nachmachen. 😉

Und beim nächsten mal werde ich mich 1) ans Rezept halten und 2) bei Impovisation besser vorher nachdenken. Versprochen Stephanie. An deinem Rezept lag es ganz gewiss nicht.

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Über brittlebrick

Ich heiße Britta, bin 2014 zur veganen Ernährung gekommen und bezeichne mich selbst als Teilzeitveganerin. Ich interessiere mich generell für Ernährung, bin verheiratet und habe einen Sohn, der mein schäfster Kritiker ist und die Rezepte auf Familientauglichkeit testet. ;)

14 Gedanken zu „Mit Donuts auf Kriegsfuß

  1. Ohhhh jeeeee!!!! Aber … (*leise flüsternd*: schreib ich’s oder schreib ich’s nicht!?) … (*grinsend*: ich schreib’s!!) … ich hatte meinen Spaß (beim Lesen) 😀 … Und nach der Katastrophe nicht mal ein Riegel VEGO zu Hause …. Du Aaaarme 😉

  2. Auweia, da hast Du ja was erlebt. Tröste dich, irgendwann hat jeder von uns solche Küchenschlachten erlebt. Schade um die Brille. 😉

  3. Okay, es war ein Desaster, eine Teig-Katastrophe heftigen Ausmaßes….. aber es war lustig! Also, für uns!

    Gut, unlustig ist die Sache mit der Brille! Das ist nur nervig und wird Geld kosten…. Leider sind die Dinger in der Regel ja nicht gerade günstig…. Wir sind beide Brillenträger und können uns vorstellen was das jetzt für Dich heißt….. Hm, ob der Teig ne gute Haftpflichtversicherung hat? Oder kommt man da mit höherer Gewalt durch? 😉

    Liebe Grüße
    AnDi

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