Matchinska (Smoothie mit Matcha und Seidentofu)

MatchinskaNoch zauderte ich, ob ich ihn nicht Silky Morning Smoothie nennen sollte, da erinnerte ich mich an einen netten Blogbeitrag über Anglizismen. Ich suchte die Übersetzung für Smoothie, die im deutschen einfallslos Smoothie ist. Eine Sackgasse. Die deutsche Übersetzung seidiger Guten Morgen-Smoothie hörte sich auch irgendwie holprig an. Ich mache mich auf die Suche nach Tipps für einen guten Namen und stoße vor in die Welt der Marketingexperten. Was dort zu lesen ist, nimmt mir den Mut. 1500 Namen bringt man zu Papier, bevor man für ein Produkt einen wirklich passenden gefunden hat, behauptet der Inhaber einer Marketingfirma. Ich überüberdenke angesichts meines sonstigen Tagespensums meinen Zeitbedarf und bin frustriert.

Möglicherweise sollte ich den Smoothie morgen einfach nochmal machen und auf spontane Insipration hoffen? Oder doch lieber auf die Kreativität meiner Leserinnen und Leser hoffen und sie bitten, den passenden Namen auszusuchen? Die Idee klingt wirklich gut, dauert mir aber zu lange. Ich bin nämlich von Natur aus ungeduldig. Aber wer behauptet das nicht von sich?

Es sind intuitive und kreative Akte zwischen Faszination und Zweifel, so etwas kann man nicht erzwingen. Erst wenn mich ein Einfall nicht mehr loslässt, muss etwas dran sein.“ lese ich in dem Artikel1 weiter. Ich beginne, mir über die Inhaltsstoffe meines Smoothie Gedanken zu machen und daraus etwas zu basteln. Minze… Minty… Silky Minty… Dirty Minty (immerhin ist die Farbe mit dem milchigen gelb-grün nun nicht so super ansprechend). Aber das Gebot der Peinlichkeit und Emotionalität wäre damit verletzt. Welches Gericht hat schon den Beinamen schmutzig? Außerdem ein Anglizismus. Wollte ich das nicht vermeiden? Nein, verworfen. Sackgasse. Banane… Banana… ich denke an den neuen Minionsfilm und weiß schon jetzt, dass Verwechslungen vorprogrammiert sind. Überdies ist der Drink nicht mal gelb, wie man erwarten würde. Wieder Sackgasse. Ich zähle in Gedanken die Versuche. Mein Weg wird lang werden, wenn es tatsächlich über 1000 werden müssten.

Matcha… Matchinska… klingt russisch nicht seltsam für einen alkoholfreien Drink? Immerhin bringt die Internetrecherche nicht viele Treffer. Silky Matchinska erfüllt viele Kriterien, allen voran das Gebot der Merkwürdigkeit. So wie Apple nichts mit Technologie zu tun hat, hat Silky Matchinska nichts mit Minze, Banane und Dinkelmilch gemein. Aber er ist klangvoll und einzigartig. Aber wollte ich es nicht ohne Anglizismus haben?

Ich recherchiere im Russisch-Wörterbuch, bitte den Lieblingsmann mir das in kyrillischen Buchstaben geschriebene Wort für Seide vorzulesen. So eine DDR-Sozialisationsvergangenheit hat schon auch ihre Vorteile. Scholk. Klingt nicht so spaßig. Überhaupt klingt russisch für meine Ohren meist recht herrisch. Aber ich verfolge die Spur weiter. Vielleicht klingt seidig besser, aber wie bildet man Adjektive? Der Lieblingsmann hat keine Ahnung. Da muss ein Profi rann, oder besser eine Profissima. Also frage ich die russische Freundin. Männlich ode weiblich, fragt sie meisterlich und hängt gekonnt viele Buchstaben an das doch recht einfache Wort. Mein Mut sinkt. Scholkovaja Matchinska ist viel zu lang. Wie wäre eine russisch-englische Kombi Scholky Matchinska? Aber da schlägt das Gebot der Peinlichkeit sofort zu. „Tscholka heißt Spalt oder Türspalt, etwas wo man durchschaut„, meint die Russisch-Expertin, „da würde keiner an Seide denken„. Also warum nicht einfach Scholk Matchinska? Klingt wie Schock. Aber es passt. Denn der Matcha im Drink soll einem ja den Boost, uups! Schub für den kommenden Tag geben.

Ich lasse den Namen einige Zeit auf mich wirken. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir das einfache Matchinska und desto weniger gefällt mir Scholk. Ich sitze mit meiner Matchinska am Frühstückstisch. Heute gab es Matchinska zum Frühstück. Matchinska gibt Energie für den Tag. Klingt doch nett. Erinnert zwar etwas an Mamutschka… und wer mag schon als Mittvierzigerin mit seiner Mama am Frühstückstisch sitzen? Aber ich denke dabei auch an diese kleinen ineinandergeschachtelten russischen Holzpüppchen – Matroschka – und die finde ich wiederrum süß.

Es bleibt dabei. Ich nenne sie Matchinska. Sie? Ja, in dem Glas mit der schlanken Taillie denke ich sofort an eine Frau.

Darf ich vorstellen: Matchinska

Darf ich vorstellen: Matchinska. Wer ihn abends genießen will, kann den Matcha einfach weglassen.

Ach so, das Rezept. Nachdem ich euch jetz an meiner kreativen Namenssuche habe teilhaben lassen, kommt das beste zum Schluss. Für einen Driink (ca. 0,3l) braucht ihr

  • 2 Scheiben frische Ananas
  • 1/2 vollreife Banane
  • 100g Seidentofu
  • 100ml Getreidemilch (ich habe Dinkel genommen)
  • 1 gestr. TL Matchapulver

Alle Zutaten in den Mixer geben und kräftig durchmixen. Möglichst lang, damit die Fasern der Ananas gut zerkleinert werden. Der Drink kommt vollständig ohne Zucker aus, wenn ihr reife Banane und vor allem reife Ananas verwendet. Wer ihn etwas süßer möchte nimmt einfach Reismilch. Oder wie wäre es, das ganze mal mit Hanfmilch zuzubereiten? Um 7 Uhr genossen habe ich dreieinhalb Stunden später immer noch keinen Hunger. Liegt wohl auch am Eiweiß. Circa 5% enthält Seidentofu davon. Der Matcha gibt Energie für den Tag und wie ihr erleben durftet, ist er auch Antrieb für kreative Denkarbeit. Und genau das gehe ich jetzt auch ausnutzen. Euch noch einen schönen Tag.

1 Wirtschaftswoche, 23.6.2015: Was wir nicht direkt verstehen finden wir gut.

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9 Gedanken zu „Matchinska (Smoothie mit Matcha und Seidentofu)

  1. Das war ein total guter Post (sorrry … Äääh Tschulligung …) Beitrag! Der Name gefällt mir! Aber weißt Du, warum Apple, Apple heißt und warum das Logo ein angebissener Apfel ist??

      • Steve Jobs war ja schon ein Freak!! Er hat mal auf einer Apfelplantage gearbeitet (er war auch eine Zeit lang Frutarier – weswegen er meinte, nicht mehr duschen zu müssen und irgendwann (ich glaube bei Atari) nur noch alleine nachts arbeiten durfte, da er so gemüffelt hat) diese Zeit hat ihn sehr geprägt. Bei der Namenssuche ist er dann auf Apfel gekommen und hat sich entgegen viele seiner Kollegen (wie fast immer) durchgesetzt. Der Biss (bite) ist ein Wortspiel zu der Einheit (Bit/Byte). 🍏

  2. Pingback: Matchinska | winnieswelt

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