Projekt Stadthonig

Wer sich ein Haustier zulegt, sollte sich gut überlegen welche Anforderungen das Tier stellt. Und wenn man sich nicht nur ein einzelnes Tier anschafft, sondern die Anzahl doch mal in den fünfstelligen Bereich gehen kann, dann ist es gleich noch mal wichtiger, sich über einiges Gedanken zu machen. Die Überschrift lässt es schon vermuten: Wir überlegen Bienen anzuschaffen. Tiernutzung auf einem Veganblog? Welche Argumente ich dafür habe, will ich euch heute erläutern.

Ist Bienensterben noch ein Thema?

Vielleicht hat der ein oder andere schon vom Bienensterben gehört. Seit Jahren jammern Imker, dass heimischen Bienen immer häufiger unter Milbenbefall leiden und so ganze Völker ausgerottet werden. Die Varroa-Milbe wurde in den 70er Jahren durch indische Bienen-Völker nach Europa eingeschleppt und macht seither den heimischen Bienen das Leben schwer. Mancher Bio-Imker schließt aber auch nicht aus, dass aufgrund einiger Veränderungen wie gentechnisch veränderte Pflanzen, Monokulturen, Verwendung von Schädlingsbekäpfungsmitteln, Klimawandel, übermäßige Düngung oder Globalisierung Bienen heute einer Vielzahl an Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, die vor eingen Jahrzehnten noch nicht bestanden und die die Wiederstandsfähigkeit von Bienen negativ beeinträchtigt. Noch ist man den Ursachen auf der Spur. Erst seit 2004 wird das Bienensterben in Deutschland tatsächlich wissenschaftlich untersucht.

Fakt ist: Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Früchte, ohne Früchte haben auch wir nichts zu essen. Dazu kommt, dass die Bedingungen in den Städten aufgrund fehlener Lebensräume auch für Wildbienen nicht immer besonders günstig sind.

Stadthonig ist besser als sein Ruf

Viele Imker stellen ihre Völker für sortenreinen Honig an große Monokulturen. Was aber passiert, wenn wir uns ein halbes Leben von immer dem selben ernähren? Eine Biene lebt etwa 6 Wochen, ein Drittel bis die Hälfte ihres Lebens verbringt sie also damit, eine einzige Pollensorte zu sich zu nehmen. Ebenso alle Schadstoffe, die sich an dieser Stelle auf den Pflanzen oder im Boden befinden. Ist das artgerecht? Wohl eher nicht. Sicherlich werden viele Arten gleichzeitig blühen. Aber Monokulturen finden sich in freier Natur sicher äußerst selten. Da bietet die Stadt mit ihren vielen kleinen (Vor-)Gärten, Balkonkästen und einzeln stehenden Bäumen eine wesentlich höhere Vielfalt an Nahrungsquellen. Zudem sind die meisten Pflanzen weder gedüngt noch mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt, was unterm Strich sowohl zu gesünderen Bienen als auch zu schmackhafterem und gesünderem Honig führren kann. Und so nebenbei werden viele Pflanzen in kleinen Stadtgärten befruchtet… der Hobbygärtner freut sich, wenn der einzige Apfelbaum im Garten viele Früchte trägt.

Nutzung oder Ausnutzung?

Eine brisante Frage. Ja, man nimmt den Bienen einen Teil ihrer Nahrung. Man füttert sie dafür in schwierigen Situationen (lange Regenzeiten oder Kälte) mit Ersatzfutter. In der Regel kann ein Bienenvolk aber mit dem produzierten Hoinig mehr als gut über die Runden kommen. Zumindest wenn es sich um Honigbienen und nicht um Wildbienen handelt. Wir sind nicht an der komerziellen Nutzung interessiert. Bei uns werden keiner Königin die Flügel gestutzt, damit sie nicht ausfliegt. Wir werden uns ein Bio-Volk anschaffen, das frei von Pestiziden aufgezogen wurde. Wir bieten artenreiche Flora und werden so gut wie möglich Bio-Honig produzieren und nehmen, was uns die Natur geben will. Nicht auf Ertrag ausgerichtet, sondern aus Freude an der Sache selbst. Für uns soll es ein Hobby sein, sich Natur und dem Kreislauf des Lebens auf eine andere Art zu nähern und auch unserem Sohn nahezubrigen, dass alles mit allem zusammenhängt und auch welche Arbeit es tausenden von Bienen (und dem Imker!) macht, wenn er ein Glas Honig vernascht.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt

Wie viel Arbeit es vorab ist, wurde uns erst heute wirklich bewusst. Bei Apfel-Mandel-Pie und Rheubuschtee haben wir uns mit einem befreundeten Imker zusammengesetzt, der uns erst einmal die Grundbegriffe erläutert hat, uns bei den ersten Anschaffungen beraten hat, uns half den optimalen Standort in unserem Garten zu finden und nützliche Tipps gab, was es alles nebenraus zu beachten gilt. Von Absperrgitter bis Versicherung, von Nachbarn bis Veterinäramt, von Ameisensäure bis Vermietereinverständnis…. Uns brummt gerade der Kopf.

Eine lange Liste an Anschaffungen und Informationen...

Eine lange Liste an Anschaffungen und Informationen…

Aber am Montag steht schon auf dem Plan, dass ich mich in der örtlichen Bibliothek schlaulese. Denn schließlich sind das Lebewesen, die wir da „anschaffen“. Das ist auch eine Verantwortung, diese gut zu behandeln und ihnen ein stressfreies Leben zu ermöglichen.

Und wie geht es nun weiter?

Als erstes heißt es nun, die restlichen Nachbarn zu befragen, ob sie denn etwas gegen unser Vorhaben hätten. Vielleicht können wir sie ja mit dem Versprechen auf ein Glas Stadthonig ködern… 😉 Der Eintritt in einen Imkerverein ist aus versicherungsrechtlichen Gründen anzuraten. Die Anmeldung beim Veterinäramt, auch wenn es sich nur um ein Volk handelt, kann vorteilhaft sein. Und natürlich steht die Beschaffung der Ausrüstung an. Bis in etwa 4 Wochen die ersten Bienen bei uns einziehen können, ist also noch jede Menge zu tun. Ich werde sicher nicht so ausführlich berichten, aber gelegentlich wird schon mal ein kleiner Beitrag über unser Stadthonig-Projekt kommen. Und nein, es wird keine Rezepte mit Honig hier auf diesem Blog geben.

Nach 4 Stunden, einer Kanne Tee, etlichen Tassen Kaffe und einem halben Kuchen hatten wir so langsam eine Ahung, auf was wir uns einlassen...

Nach 4 Stunden, einer Kanne Tee, etlichen Tassen Kaffe und einem halben Kuchen hatten wir so langsam eine Ahung, auf was wir uns einlassen…

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3 Gedanken zu „Projekt Stadthonig

  1. “Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.” Albert Einstein

    Ein geniales Projekt und auch wir hoffe viel darüber lesen zu können! 🙂

    Wir lassen immer einige unserer essbaren Blüten an den Pflanzen und teilen so mit den Bienen, welche den Weg auf unseren Balkon finden. Es ist wichtig die kleinen pelzigen Flieger zu unterstützen!

    Liebe Grüße, toi, toi, toi und jede Menge Spaß und Erfolg mit dem Projekt
    AnDi

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