Kreativloch beim Bloggen?

Welcher Blogger kennt es nicht: Akute Blogunlust, keine Einfälle, schleppende Beitragsentstehung. Man zermartert sich das Hirn nach möglichen Themen. Und während man Gedanken durchkaut, beschmeckt und angesichts des bitteren Beigeschmacks der Beliebigkeit oder Kreativlosigkeit wieder ausspuckt kommt einem der Gedanke an eine kreative Pause immer verlockender vor, je häufiger man diesen Prozess des Nichtschluckens, respektive des Anverdauens und Ausverleibens durchlebt. Was aber ist Kreativlosigkeit? Und wie wird man sie als BloggerIn los? Diese Reise werde ich heute beginnen. Gerne seid ihr eingeladen, mir dabei (durch lesen, liken, kommentieren oder verlinken) Gesellschaft zu leisten. Denn sie hat mich erwischt, diese Kreativlosigkeit. Seit einigen Wochen quäle ich mich schon mit ihr rum wie mit einer hartnäckigen Erkältung, die einfach nicht verschwinden will.

Schreibprobleme – was tun?

Hilfestellungen zur Überwindung von Schreibblokaden finden sich genügende im Netz. Allem Voran finde ich wichtig zu analysieren, warum der Prozess des Schreibens ins Stocken geraten ist. Sind es die Inhalte oder liegt die Ursache eher in der schreibenden Person selbst?

Letzteres schließe ich bei mir mal aus. Ich schreibe gern, fühle mich beim Bloggen nicht unter Druck oder gar auf dem Prüfstand. Nein, meine Kreativlosigkeit ist eher inhaltlicher Natur. Unabhängig davon sind die Techniken im Umgang mit Schreibblokaden sowohl für personen- wie auch inhaltlich bedingte Gründe hilfreich. Viele Autoren beschäftigen sich damit, was in solchen Fällen helfen kann, geben Tipps und Ratschläge, die sieben, 13 und mehr Regeln enthalten. Ihre Bezeichnungen sind im Wortlaut unterschiedlich, ich ordne sie aber in fünf Bereiche:

  1. Planung
  2. Pausen
  3. Schreibumgebung
  4. Sich Freund sein
  5. Schreiben

Planung

Manche BloggerInnen erleichtern sich das Leben durch Termintreue, z.B. einmal im Monat oder jeden Sonntag. Sie ziehen sich auf diese Weise eine konstante Leserschaft heran, die am Erscheinungstag schon sehnsüchtig auf den neuesten Beitrag wartet. Ich habe auch schon thematische Monats- oder Jahresplanungen gesehen. Insbesondere am Jahresanfang häufen sich solche Beiträge, die nicht nur den Leser auf Zukünftiges neugierig machen sollen, sondern auch BloggerInnen selbst bei der Stange halten. Steht das Thema fest, können bei der Suche manchmal auch wahre Schätze zutage treten.

Zur Planung gehört auch der Aufbau eines Texts. Bloggen erscheint einem insbesondere am Anfang sehr chaotisch. Je besser strukturiert ein Text ist, desto leichter verständlich, aber auch umso besser verfassbar ist er. Ein festes Gerüst kann beim Bloggen helfen. Überschriften zuerst, oder doch immer in der Mitte anfangen? Erst die Bilder zusammensammeln und dann den Text drumherum bauen? Ein immer wiederkehrendes Muster der Einträge? Bei erfolgreichen Schreib-Bloggern entdecke ich in aller Regel formal wie inhaltlich gut strukturierte Texte.

Pausen

Pausen könnten auch unter Planung eingeordnet werden. Da sie für Kreativität aber ein essentiell wichtiger Punkt sind und es um mehr als die Planung von Pausenzeiten geht, bekommen sie von mir einen eigenen Unterpunkt. Schreiben kann kreativer werden, wenn man nach einer gewissen Zeit geplant den Blog-Platz verlässt und sich entspannt oder ablenkt (nein, das ist nicht das selbe!). Pausen kann man auch nutzen, um eine bewusste Entfernung zwischen Schreib- und Redigier-Prozess zu schaffen. So verfassen manche ihre Texte in einem Rutsch, lesen sich diese erst am nächsten Tag durch und verbessern dann. Unter Pausen kann man auch bewusste Blogpausen wie Urlaub etc. nennen. In einem solchen Fall hilft es, Stammleser vor Enttäuschungen zu bewahren, indem man dies deutlich mitteilt.

Womit man Pausen füllt, kann von Bedeutung sein. Ich habe es schon angedeutet: Entspannung oder Ablenkung. Viele Autoren meditieren z.B. regelmäßig, um den kreativen Schreibprozess in Gang zu halten. Aber auch kurzfristige Zeitabschnitte sind von dieser Frage betroffen. Unser Gehirn nimmt sich sowieso Auszeiten. Ob wir wollen oder nicht. Nach etwa 20 Minuten Konzentration schaltet das Hirn kurzfristig auf Sparbetrieb und läßt uns damit einfach im Stich. Man kann lernen die kleinen Signale zu bemerken und entsprechende Strategien für den Umgang entwickeln.
Eine kreative Art der Pausengestaltung ist das Verfassen eines anderen Textes. Niemand sagt, dass der Mensch nur in der Lage sei einen Text zu schreiben, wenn er den vorherigen beendet hätte.

Kreativer Pausensnack: Cashewkerne und Rosinen. Fett fürs Hirn, Zucker fürs Herz! Was knabbert ihr mal schnell zwischendurch in einer kreativen Pause?

Kreativer Pausensnack: Cashewkerne und Rosinen. Fett fürs Hirn, Zucker fürs Herz! Was knabbert ihr mal schnell zwischendurch in einer kreativen Pause?

Schreibumgebung

Hier unterteile ich in zwei Bereiche. Das eine ist der Arbeitsplatz selbst, der Kreativität fördern kann, das andere alle Bedingungen um diesen Arbeitsplatz herum.

Jeder hat seine persönliche Art von Kreativitätspush. An bestimmten Orten schreibt es sich gut, aber es gibt auch Plätze an denen will einem einfach nichts einfallen. Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes hat einen Einfluß. Manche brauchen das Chaos um sich, andere können dann kreativ sein, wenn der Schreibtisch wie im Möbelhaus aussieht. Auch draußen schreiben kann anregend sein, insbesondere deshalb, weil die Betrachtung grüner Flächen Kreativität fördert1. Manche bloggen vorzugsweise am Smartphone, weil das immer und überall dabei ist und kreative Gedanken sofort festgehalten werden können.

Mein persönlicher Arbeitsplatz wird bis Mitte April noch einen eigenen Beitrag bekommen, da ich zu diesem Thema zu einer Blogparade eingeladen wurde. Laßt euch überraschen!

Um kreativen Gedanken Raum zu geben kann es zuweilen störend sein, sich herausreißen zu lassen. Ob man für diese Zeit ein Eremitendasein mit abgestellter Klingel und Telefon und Shutdown des Mailprogramms führt, oder sich einfach nachts zwischen 2 und 4 Uhr dransetzt, ist Geschmackssache. Manche brauchen auch unbedingtes Gewusel um sich und sind im Cafe oder auf großen Plätzen am kreativsten. Musikhören ist für manche Pflicht für Ideenfindung, andere fühlen sich durch Nebengeräusche gestört. Die Entscheidung unserer Arbeitsumgebung beeinflusst, wie kreativ wir sein können. Gerät der kreative Schreibprozess ins Stocken, kann eine bewusste Auseinandersetzung mit der Arbeitsumgebung und die gezielte Verändeurng einzelner Komponenten wahre Wunder wirken.

Sich selbst Freund sein

Wem partout nichts aus der Feder  bzw. den Tasten fließen will, darf Milde mit sich walten lassen. Nicht immer kann man super tolle Texte verfassen, sprüht vor Energie und Ideenreichtum. Manchmal muss man einfach von anderen abschauen, um sich inspirieren zu lassen. Auch der Austausch mit Anderen kann kreativitätsfördernd wirken. Manche haben CoAutoren, bilden Autorengemeinschaften oder inspirieren sich durch Vernetzung mit anderen Bloggern und Nichtbloggern zum Thema.

Schreiben

Schreiben bei Scheibblockade? Klingt widersinnig, oder? Ich erinnere mich hierzu an ein mich damals sehr faszinierendes Studiumsthema, das als Vorbereitung auf das Verfassen einer wissenschaftichen Arbeit in den Studienbriefen Erwähnung fand: Kreatives Schreiben. Eine Technik zur Unterstützung kreativer Schreib-Prozesse ist das sogenannte „Schreiben über Schreibprobleme“. Damals habe ich es belächelt, inzwischen weiß ich diesen „Quatsch“ zu schätzen. Denn es traf mich bei der eigenen Bachelorarbeit mit Wucht! Obwohl ich diesen Ausdruck „Schreiben über Schreibprobleme“ nur in Zusammenhang mit ebendieser Auseinandersetzung verschiedener Studierender mit dem Studiumsmaterial im Netz finde, ist die Technik des Warmschreibens oder Einfachdrauflosschreibens häufiger im Netz zu finden. Der Unterschied besteht nur darin, dass das Thema schon vorgegeben ist: Die eigene Unzulänglichkeit.

Selbstverständlich kann jeder abseits des gefordeten Beitrags verfasste Text unsere Kreativität fördern. Manche BloggerInnen sind sogar wahre MultibloggerInnen und besitzen mehrere Blogs zu verschiedenen Themen. Noch gönne ich mir diesen Luxus nicht und blogge – von einem Gastbeitrag abgesehen – nur hier bei brittlebrick. Als Bloggerin habe ich beim wilden Textverfassen dann das Problem, dass ich mich unproduktiv fühle. Der kreative Prozess besteht dann allein schon darin, etwas abseits meines gängigen Vegan-Food-Themas zu finden, was in irgendeiner Weise hier veröffentlicht werden könnte. Die Brücke zu schlagen zwischen Vegan und X.

Heute war X, ihr habt es sicher schon gemerkt, meine eigene Schreibblockade. 😉 Denn auch wenn ich etwa 15 interessante Entwürfe abgespeichert habe, will mir so recht nichts dazu einfallen. Oder ich habe keine schönen Fotos dazu, müsste es erst zubereiten, finde die Jahreszeit nicht passend, es gelingt nicht wie ich dachte oder oder oder. Da kommt so eine Blogparade mit artfremdem Thema wie gerufen. Ich hoffe ihr bleibt trotzdem da. Es wird sicher bald wieder besser.

Die Definition zum Schluß

Manchmal muss man neue Wege gehen. Normalerweise kommen Definitionen am Anfang. Damit man weiß, wovon die Autorin redet. Aber muss das immer so sein? Kreatives Schreiben… Kreativität, was ist das eigentlich? Am besten gefallen hat mir die Definition von Csikszentmihalyi2, der Kreativität in seinem Systemmodell als ein Zusammenspiel aus Individuum, Kultur und Gesellschaft betrachtet:

Kreativ sind Ideen oder Produkte, die originell sind, von der jeweiligen Gesellschaft bzw. Kultur hochgeschätzt werden und ausgearbeitet sein bzw. funktionieren müssen.

Puh, ganz schön theoretisch! Demnach kann schon eine originelle Idee kreativ sein. Es muss gar nicht in einem Produkt enden. Die positive Bewertung durch andere ist in meinen Augen ein nicht komplett steuerbares Element. Hm, auch wenn es heute am Ende kein Rezept gibt, ich fand mich enorm kreativ. 😀

Wollt ihr mir sagen was ihr macht, wenn ihr kreativ sein müsst und es einfach mal nicht fluppen will beim bloggen?

 

1 Preiser, S. (2016). Kreativität stimulieren. Report Psychologie, 41(2). 54-55
2 Csikszentmihalyi, M., Wolfe, R. (2014). New Conceptions and Research Approaches to Creativity: Implications of a Systems Perspective for Creativity in Education. The Systems Model of Creativity, Heidelberg: Springer, 161-184. doi: 10.1007/978-94-017-9085-7_10

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu „Kreativloch beim Bloggen?

  1. 😀 Stimmt, Du warst sehr kreativ! 😉

    Da wir über über unsere Balkonbewohner und alles um sie herum schreiben, geben sie uns die Themen vor, von daher gibt es immer was zu schreiben. Leider können wir Dir da nichts zu sagen…

    Uns fehlt eher ab und an die Zeit zum Bloggen…..

    Vielen Dank übrigens für Deine Mail, wir melden uns morgen! 😉

    Liebe Grüße
    AnDi

  2. Mir geht es da auch eher so wie AnDi … Manchmal hab ich einfach keine Zeit zum Bloggen … Dann lass ich’s auch einfach. Schreibblockaden hatt ich auch noch keine. Blogge da auch völlig unstrukturiert und schreib einfach drauf los, danach platziere ich die Fotos – Fertig! Pausen mach ich zwischendrin auch keine. Ein Post dauert bei mir zwischen 1,5 und 2 Stunden … Dann noch ne Pause!? Da werd ich ja nie fertig! Ich guck nebenbei gern, trinke Rotwein oder hör Musik … Bei Schreibkrisen würd ich glaube ich schlicht ne Pause machen – Einfach nicht bloggen und gucken, was das mit mir macht! Wobei … Blöder Tipp … Du bist eine (von 3) Blogs, denen ich folge … Mein anderer ist auch noch quasi verschollen … Dann wird’s mir echt etwas dünne im Bloglesen … Also: ‚Nu reiß Dich ma zusammen‘ *guck streng* 😉 (Späßchen!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s