Sonntagsschmankerl: Gleichberechtigung und der Weltfrauentag

Letztes Wochenende war Muttertag. Und just an dem Tag habe ich dieses Sonntagschmankerl entdeckt…

Gesehen in einer Schule in Karlsruhe

Gesehen in einer Schule in Karlsruhe

Wusstet ihr, dass es einen kommunistischen und einen sozialistischen Frauentag gab? Ins Leben gerufen wurde er durch Frauen der sozialistischen Partei Amerikas als Kampftag zur Einführung des Frauenwahlrechts erstmalig am 28. Februar 1909.

Nach Europa kam der Tag als Frauentag am 11. März 1911 (Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und Schweiz) und war mit seiner Forderung zum freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht ein großer Erfolg. Im folgenden Jahr wurde der Tag auf den 12. Mai gelegt und der internationale Frauentag schien verankert zu sein. Aber schon 1913 regte sich Widerstand und in den Jahren des ersten Weltkrieg war der Frauentag verboten. Er wurde erst im Rahmen der „Roten Woche“ vom 5. – 12. Mai 1917 wieder eingeführt. 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht ausgerufen und der Weltfrauentag schien damit seine Bedeutung verloren zu haben.

Durch die Abspaltung der Kommunisten von den Sozialisten im Jahr 1918 hatten die Kommunistinnen den Frauentag quasi mitgenommen, weil seine heftigste Befürworterin Klara Zetkin fortan der KPD angehörte. Er wurde als Erinnerung an die Februarrevolution, ausgelöst durch Russalnds Bauernfrauen, fest am 8. März begangen. Die Sozialdemokratinnen forderten einen eigenen Frauentag ohne festes Datum, der wie üblich im Mai ausgerufen werden sollte. So gab es zur Zeit der Weimarer Republik zwei Frauentage: Einen mit festem und einen mit variablem Datum.

Die Nationalsozialisten machten sich den sozialistischen Tag zueigen, verboten den Frauentag, benannten ihn kurzerhand in Muttertag um und legten ihn auf den dritten Maisonntag. Damit wurde aus einem Protesttag für Frauenrechte ein privates Dankesfestlein im kleinen Kreis der Familie. In der übrigen Welt wurde der Frauentag weiterhin am 8. März begangen.

Im geteilten Deutschland blieb der Weltfrauentag in sozialistischer Tradition bei diesem Datum, in Westdeutschland verlor sich der zwischen Februar und Mai gelegte Weltfrauentag und wurde erst Anfang der 70er im Rahmen der Frauenbewegung wiederbelebt. Die UN legte im Jahr der Frauen 1975 den Weltfrauentag auf den 8. März fest. Der am selben Datum gefeierte Frauentag in der DDR wurde immer mehr parteilpolitisch mißbraucht und verkam zum sozialistischen Muttertag.

Durch die Wiedervereinigung wurde der Weltfrauentag in Gesamtdeutschland in internationaler Tradition auf den 8. März gelegt, der Muttertag im Mai blieb erhalten.

2010 plädierte Alice Schwarzer in einem Artikel der Frankfurter Rundschau für eine komplette Streichung des Weltfrauentages: „Schaffen wir ihn […] endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

Der Beitrag kommt eigenlich eine Woche zu spät. Ich hatte einfach keinen Drive letzte  Woche. Ich hoffe ihr seht mir nach, dass es erst diesen Sonntag veröffentlicht wird. 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Einfach so von brittlebrick. Permanentlink.

Über brittlebrick

Ich heiße Britta, bin 2014 zur veganen Ernährung gekommen und bezeichne mich selbst als Teilzeitveganerin. Ich interessiere mich generell für Ernährung, bin verheiratet und habe einen Sohn, der mein schäfster Kritiker ist und die Rezepte auf Familientauglichkeit testet. ;)

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