Mandelmilch – schon im Mittelalter bekannt

So mancher Nichtveganer behauptet, vegane Speisen in Europa ausser Wasser und Apfelmus seien eine Erfindung der Neuzeit. Erst recht so „Gedöns“ wie Getreidemilchen. Demnächst könnt ihr euer Gegenüber mit Wissen dazu beeindrucken. Denn schon im Mittelalter waren Speisen aus Mandelmilch auf fürstlichen Tafeln zu finden.

Gefunden habe ich dies im Nachdruck eines Kochbuchs von 1581 von Max Rumpold (auch Marx Rumpolt), dem Koch des Mainzer Kurfursten in der Kochbuchsammlung des Hygienemuseums in Dresden. Nur so nebenbei, das tollste Museum, das ich je mit Kind besucht habe. Für alle Altersklassen gibt es interessantes zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich auch mit Essen, Nahrungsmitteln und der Speisenzubereitung. Und dazu gehört auch eine riesige Kochbuchsammlung, in der ich gleich mal stöberte.

Im Mittelalter waren Kochbücher noch kaum vorhanden. Wie auch? Die meisten Köche konnten ja nicht lesen, Papier war rar und Rezepte wurden in der Regel mündlich überliefert. Man stellt sich heute bei einem fürstlichen mittelalterlichen Buffet mit 150 verschiedenen Speisen enorm Aufwändiges vor. Tatsächlich war es aber nicht so. Viele mittelalterliche Rezepte wirken nach heutigem Standard eher einfach. Trotzdem sind die Rezepte in Rumpolds Kochbuch nichts für einfache Leute gewesen, denn die verwendeten Zutaten waren meist selten zu bekommen, sehr teuer und oft auch dem Adel vorbehalten.

So auch die selbst hergestellte Mandelmilch, bei der wie auch heute noch, geriebene Mandeln mit Wasser so lange fein zerstoßen wurden, bis sich eine milchige Flüssigkeit ergab, deren feste Bestandteile man mit einem Leintuch abtrennte. Anschließend wurde die Mandelmilch gesüßt und weiterverarbeitet. So auch im gefundenen Rezept in RUmpolds Kochbuch von 1581:

Rür Mehl mit kalter Mandelmilch ab / wenn ſie ſeudt /
laß damit wol ſieden / rür frische Butter / die
angeſchmälzt iſt / darunter / ſo wirt es gut und wolgeschmack.

Also lasst euch nicht die Margarine vom Brot nehmen. Solches „Gedöns“ wie Mandelmilch gab es schon im Mittelalter und war sogar so fein, dass sie nur den Reichen gemundet haben dürfte, weil Mandeln selten und teuer waren.

Eine vollständig digitalisierte Ausgabe dieses mittelalterlichen Kleinods findet ihr übrigens in der digitalen Bibliothek Wolfenbüttel. Aber Achtung, der dort häufiger auftauchende Begriff Erdäpfel meint sicher keine Kartoffeln, da diese zur damaligen Zeit noch gar nicht bekannt waren in Europa. Vermutet wird, dass es sich um Erdkastanien handelte, heute bekannt als Knollenkümmel.

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